Bei all den Emotionen, die vielleicht beim Betrachten der Fernsehbilder aus New Orleans entstehen mögen, sollte mensch sich doch nicht eine klare Sicht auf die Dinge verwischen lassen. Deshalb mal ein paar grundsätzliche Dinge, die mir unter den Nägeln brennen:
George W. Bush ist nicht der Leibhaftige, frisst keinen kleinen Kinder und hat persönlich vielleicht nichtmal was gegen Menschen anderer Hautfarbe, sondern ist einfach nur der gewählte Präsident der USA. Das und die von ihm vertretene Politik muss mensch überhaupt nicht toll finden, genauso wie der Krieg gegen den Irak aus vielen Gründen kritisch betrachtet werden kann. Aber die weltweit vorherrschende Sichtweise von Herrn Bush als die Wurzel alles Bösen zeugt von einer vormodernen Vorstellung von Politik und gesellschaftlichen Zusammenhängen, die meiner Meinung nach viel zu einfach ist, und somit auch nicht die strukturellen Zusammenhänge erkennen kann, die für Sexismus, Rassismus, Armut und andere Missstände verantwortlich sind. Es sind nicht Personen, die das Schicksal der Menschheit lenken, sie erfüllen einfach nur Funktionen in bestehenden Strukturen.
So ist doch bei genauer Betrachtung der Tatsachen nicht der Präsident für den Katastrophenschutz verantwortlich, sondern zuerst lokale und vor allem Institutionen auf bundesstaatlicher Ebene. Und wenn diese versagen, ist es -auch wenn es nicht ins Feindbild passt- nicht die Schuld des Herrn Bush, denn soweit mir bekannt ist, ist er nicht der Erfinder des Föderalismus. Und selbst wenn es auf Bundesebene Fehler gab, so ist es doch wohl auch nicht eine Person, die diese zu verantworten hat, sondern es haben die Strukturen der Katastrophenhife versagt.
Diese Vorstellung von dem
“einen Schuldigen”, der alle Fäden in der Hand hält, und damit auch für
alles verantwortlich sein muss, ist nicht nur weltfremd, sondern auch gefährlich. Denn aus so einer Logik wäre in letzter Konsequenz auch das Beseitigen dieser “Verantwortlichen” vertretbar, da diese Verantwortlichen ja durch ihr bewusstes Handeln die Wurzel des Bösen sind und die Welt ohne sie ein besserer Ort wäre. Diese Vorstellung, dass das Böse ein Gesicht hat, mag zwar erquickend einfach sein, ist aber falsch und führt auch zu falschen Schlussfolgerungen.
Kurz gesagt: George W. Bush hat Rassismus, Sexismus, Militarismus, Kapitalismus etc. pp. nicht erfunden, und wohl kaum einer der bisherigen Präsidenten, der gleichen oder einer anderen Partei war frei von solchen Denkstrukturen.
So, das waren “my two cent”, Kommentare sind wie immer erwünscht.
Read More